Die Menschen hinter den City Animals
Vier Kunstschaffende, zwei Künstlerduos und eine ganze Schar hölzerne City Animals. Pia Gabriel, Markus «Leto» Meyle, Erika Gedeon und Stefan Schmidhofer bauen die City Animals, die im Sommer 2027 die Zürcher Innenstadt bevölkern werden. In der Werkstatt Laborraum Pialeto entstehen aus regionalem Holz Fuchs, Wildschwein, Waldmaus und Co. – jedes Tier von Hand, jedes ein bisschen anders und jedes mit seinem eigenen Charakter.
In der Werkstatt Laborraum Pialeto in Uster wird gesägt, geschraubt, geschnitzt und gemalt. Holzlatten stapeln sich auf den Werkbänken, dazwischen stehen Tiere in ganz unterschiedlichen Stadien ihrer Entstehung. Einige lassen ihre spätere Form erst erahnen, andere scheinen einen bereits aufmerksam anzuschauen. Für Pia und Leto vom Künstlerduo Pialeto sowie Erika und Stefan von Laborraum hat eine intensive Produktionsphase begonnen. 15 heimische Tierarten sollen hier in den kommenden Monaten aus regionalem Fichtenholz entstehen. Diese werden im Sommer 2027 während zehn Wochen in Geschäften, Restaurants und Betrieben und an zentralen Orten der Zürcher Innenstadt auftauchen.
Trotz der Dimension des Projekts ist die Arbeit für die vier auch eine Gelegenheit, ganz in den Arbeitsprozess einzutauchen. Statt ständig zwischen Projekten, Orten und Aufgaben zu wechseln, können sie über längere Zeit an den Tierli arbeiten. «Ich verliere hier schnell das Zeitgefühl. Besonders spannend finde ich, mich in jedes Tier hineinzudenken: Wie bewegt es sich, welchen Charakter hat es und was braucht es, damit es lebendig wirkt? Genau dieses genaue Beobachten macht für mich den Reiz der Arbeit aus», sagt Erika.
Die Entstehung der City Animals
Bevor die erste Säge angesetzt wird, beginnt die Arbeit mit genauem Hinschauen. Die vier suchen Fotos und Videos, beobachten Bewegungen und studieren die typische Haltung der Tiere. Wie trägt ein Fuchs seinen Kopf? Wie bewegt sich ein Hermelin? Was macht ein Wildschwein unverkennbar zum Wildschwein?
Ist die passende Haltung gefunden, wird die Silhouette auf Karton übertragen. Daraus entstehen einzelne Querschnitte, die auf das Holz gezeichnet und ausgeschnitten werden. Erst danach wächst aus den einzelnen Teilen Schritt für Schritt ein dreidimensionaler Körper. Beine werden neu ausgerichtet, Pfoten angepasst, Köpfe gedreht und Proportionen verändert. Gerade beim Zusammensetzen entscheidet sich, welche Ausstrahlung das City Animal bekommt.
Eine Anleitung, die sich einfach wiederholen lässt, gibt es dabei nicht. Im Gegenteil: Das Künstlerkollektiv wechselnt bewusst zwischen verschiedenen Tieren und Tätigkeiten. Wer sich zu lange mit einem Kopf, einem Bein oder einer Bewegung beschäftigt, verliert irgendwann den Blick dafür. Dann wird gesägt, an einem anderen Tier weitergearbeitet oder einfach etwas Abstand genommen.
Die Balance zwischen Genauigkeit und Offenheit ist entscheidend. «Es darf einfach nicht belanglos sein. Gleichzeitig kann man eine Lösung nicht erzwingen. Man muss genau hinschauen, ausprobieren und manchmal auch wieder loslassen. Oft entsteht gerade dann etwas Spannendes, wenn man offenbleibt und spontanen Entscheidungen Raum gibt.», sagt Pia.
Vier Menschen, ein gemeinsamer Prozess
Die vier bringen unterschiedliche Erfahrungen und Stärken mit, von Bildhauerei über Konstruktion und räumliches Gestalten bis hin zur Malerei. Starre Rollen gibt es trotzdem nicht. Die Arbeitsschritte greifen ineinander und vieles entwickelt sich erst beim gemeinsamen Machen, Betrachten und Diskutieren.
Dabei sind sich die vier nicht immer auf Anhieb einig: «Natürlich sind wir uns nicht immer sofort einig. Manchmal würde jemand den Kopf höher setzen, ein Bein anders ausrichten oder dem Tier eine ganz andere Haltung geben. Wer gerade daran arbeitet, hat seine eigene Vorstellung und die anderen müssen diese manchmal erst einmal stehen lassen.», sagt Leto.
Genau darin liegt auch die Herausforderung der Produktion der City Animals. Trotz der hohen Anzahl sollen keine identischen Figuren entstehen. Jeder Fuchs, jedes Hermelin und jedes Wildschwein soll seinen eigenen Ausdruck bekommen. Selbst die Namen entstehen spontan und geben den Tieren bereits während der Arbeit eine Persönlichkeit – mal frech, mal mutig, verträumt oder charmant.
Im Sommer 2027 sollen die City Animals schliesslich die Zürcher Innenstadt erobern. «Wir wünschen uns, dass die Menschen den City Animals wirklich begegnen, dass sie näherkommen, sie entdecken, fotografieren und, wo es möglich ist, auch berühren. Die Tiere sollen keine distanzierten Kunstobjekte sein, sondern für einen Moment ganz selbstverständlich zum Stadtleben gehören.», sagt Stefan.
Und nach vielen Stunden in der Werkstatt gibt es natürlich auch Tiere, die den vier besonders ans Herz gewachsen sind. Das kräftige Wildschwein begeistert durch seine Grösse und die raue Wirkung des Holzes, die kleine Waldmaus durch ihren verspielten Charakter und das Hermelin durch seinen wachen Blick.
Sich für nur ein City Animal zu entscheiden, fällt den vier deshalb schwer. Vielleicht ist das aber auch das beste Zeichen dafür, dass aus Holz, Schrauben und Farbe längst mehr geworden ist, nämlich Tiere mit einem eigenen Charakter, die auch ihren Erschafferinnen und Erschaffern ans Herz wachsen.




